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Review: Coruum

Coruum
 
Autor: Michael R Baier
Jahr:
ISBN:3000162577 (dt.)

Motive: Raumschiffe und Überlichttriebwerke - Galaktische Imperien - Kriegsführung und Waffensysteme - Technologien und Artifakte

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Wertung: 4 von 7 Komplexe Handlung, aber ab Mitte mit vielen unvermuteten Sprüngen zwischen neuen Protagonisten und leider ohne auch nur eines der Geheimnisse zu erklären. Mittlerweile ist Band 2 erschienen und das Buch wurde von 3 auf 4 aufgewertet.


In Südamerika werden die Überreste einer alten Maya Stadt entdeckt. Auf den Stelen finden sich Hieroglyphen, die sich nicht eindeutig zuordnen lassen. Um was für eine Stadt handelt es sich, wieso gibt es keine Aufzeichnungen? Donavon, ein schottischer Experte im entschlüsseln von Datumsangaben, macht sich auf dem Weg um dem Ausgrabungsteam zu helfen und dem Geheimnis auf die Spur zu kommen.

Im Roten Nebel, weit entfernt von der Erde, geht eine Extraktion schief und die Verantwortliche Ashia hat mächtig Glück, dass sie nicht beseitigt wird. Stattdessen erhält sie einen Spezialauftrag, der sie nach Ruthpark führt, dem Namen für die Erde. Von dort wurde ein Signal empfangen und keinerlei Unterlagen zeigen, was dort genau vor 1500 Jahren gemacht wurde.

Ashia ist nicht allein. Der König der Sieben Königreiche empfängt ebenfalls das Signal und schickt einen von seinen Leuten, Keleeze, nach Ruthpark...

Man merkt schon, die Handlung ist reichlich komplex und man muss dem Autor Tribut zollen für den Mut, dass er das Buch im Selbstverlag herausgebracht hat. Nach einem sehr guten Beginn, in dem einige Geheimnisse aufgeworfen und die Protagonisten vorgestellt werden, wird es ab dem 8. Kapitel sehr unruhig. Anstatt mit der Handlung fortzufahren, wird zum Roten Nebel gewechselt und in vielen Details über Ereignisse berichtet, die zwar das Gesamtbild größer machen, aber nur wenig zur Aufklärung beitragen. Hinzu kommt die Marotte vom Autoren, die Geschichte aus immer neuen Perspektiven erzählen zu wollen. Das führt z.B. dazu, dass einem Ruf Ashroon 45 Seiten gewidmet werden, er nach einem Kapitel aber wieder in der Versenkung verschwindet. Für sich genommen ist der Abschnitt wirklich gut, aber er bringt dem aktuellen Buch nichts. So geht es leider auch mit einigen weiteren Teilen, was bei mir ein Gefühl von zuviel zurücklässt. Man muss nicht alles in einem Buch unterbringen bzw. wenn man das doch tut, reicht vielleicht eine Andeutung. Mehr dazu habe ich versucht, im Essay Die Struktur Von Coruum herauszufinden.

Schreiben kann Michael R Baier, keine Frage, aber mit Charakterdarstellungen hat er es nicht so. Während das Bild von Donavon noch recht überzeugend ist und bei Ashia einigermaßen fortgesetzt wird, bleiben alle anderen Personen blass. Mit den Perspektivenwechsel hat man ein gutes Instrument in der Hand, um in die Köpfe zu schauen und es ist schade, wie leichtfertig diese Chance vertan wird.

Was mich wirklich geärgert hat, war der Schluss. In den letzten drei Kapitel gibt es viel Action, die mir nicht so liegt (deswegen werte ich in der Regel die Bücher von Neal Asher ab). Wieso aber nicht wenigstens ein bisschen Licht ins Dunkel kommt, ist mir unverständlich. Ich kenne keinen Mehrteiler, in dem der Leser nicht auch im ersten Teil belohnt wird für sein Durchhalten (schließlich muss er sich die ganzen Personen und Details merken). Am Anfang fand ich die Idee mit der Extraktion ganz gut - zu mehr als der bloßen Erwähnung des Begriffes hat es im Buch nicht gereicht.

Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Auf der hübsch gestalteten Homepage, über die man das Buch direkt beziehen kann, wird man auf dem laufenden gehalten. Falls in den nächsten beiden Bänden die Handlung zu einem befriedigenden Ende geführt werden kann, wird das Buch um einen Stern aufgewertet. So bleibt ein leicht frustriertes Gefühl zurück.

Ergänzung Dezember 2006: Band 2 ist mittlerweile erschienen und ich habe Band 1 um einen Stern aufgewertet.

Interessanterweise stehe ich mit meiner Meinung relativ allein da, Rush auf Fictionfantasy.com zum Beispiel mochte die Wechsel zwischen den Handlungsebenen und die Andeutungen an Stelle von Erklärungen'', Holger Hetschko ist ebenfalls sehr begeistert. Schon eher liegt Martin Stricker auf meiner Linie.

November 2005

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Seite zuletzt geändert am 16.December 2006, um 12:27