Willkommen >> Buchkritiken >> NachTitel

Review: Martian Odyssey

Martian Odyssey
 
Autor: Stanley Weinbaum
Jahr:
ISBN:1846770602 (engl.)

starstarstarstarstarstarstar

Wertung: 4 von 7 Zu naiv, aber gute Klassiker


Stanley Weinbaum wird von vielen Kritikern gelobt als ein hervorragender Erzähler und als Vorbild für viele bekannte SF Autoren. Leider ist er viel zu früh verstorben so dass sein Werk recht klein ausfällt. Dieses Buch enthält 6 Geschichten, die ihn berühmt gemacht haben.

Die Titelgeschichte A Martian Odyssey erzählt die Abenteuer von 4 Raumfahrern auf dem Mars. Ich hatte gedacht, dass die Theorie der Marskanäle damals schon wiederlegt worden war, aber Weinbaum greift sie dankbar auf und beschreibt einige interessante Mars Kreaturen, allen voran den berühmten Tweel. Die Geschichte versprüht einen naiven Charme und bemüht sich sogar um wissenschaftliche Korrektheit. Wenn man die Euphorie der Kritiker bedenkt kann man erahnen, welches Niveau die meisten zeitgenössischen Geschichten gehabt haben müssen. Bemerkenswert ist, dass die Raumfahrer aus den USA (2), Frankreich und Deutschland kommen. Die beiden Ausländer sprechen mit entsprechendem Akzent und es fallen auch ein paar Brocken französisch, was sehr amüsant ist.

In Valley of Dreams erleben wir ein weiteres Abenteuer der Raumfahrer auf dem Mars und treffen alte Bekannte wieder. Man erfährt mehr über die Artgenossen von Tweel und es wird sogar eine Verbindung zur Erde geschlagen. Diese Geschichte hat mir besser gefallen als die erste, sie nimmt sich mehr Zeit für Hintergedanken und ist nicht ganz so abenteuerlastig.

Tidal Moon ist eine relativ vorhersehbare Agentengeschichte, die auf einem besiedelten Mond des Jupiters spielt. Leider nimmt die Geschichte ein relativ abruptes Ende, so dass die sorgfältig aufgebaute Spannung zwischen den Personen verpufft, schade.

Pygmalion's Spectacle hat mir am besten gefallen. Ein Wissenschaftler hat eine Brille entwickelt mit deren Hilfe man den Eindruck hat, einen Film hautnah mitzuerleben und sogar ein Teil davon zu sein. Die Rollen werden vorher gesprochen und aufgenommen, aber der Eindruck ist überaus real. Es gibt eine nette Pointe, durch die die Geschichte angenehm herausragt.

The Circle of Zero befasst sich mit dem Thema Hypnose. Ist es möglich, sich im hypnotisierten Zustand an Ereignisse zu erinnern, die erst noch passieren werden? Möglich soll es sein, weil parallel zu unserer Welt Milliarden von anderen Welten existieren. Wenn eine Welt unserer sehr ähnlich ist, dann können Ereignisse, die dort schon passiert sind, bei uns in der Zukunft geschehen. Ich kann damit nicht viel anfangen (Greg Egan benutzt in Quarantäne die Quantentheorie für ähnliche Spekulationen), außerdem wird schnell klar, wie die Geschichte ausgehen wird.

Die letzte Geschichte, The Dictator, ist stark politisch angehaucht und spielt in der nahen Zukunft. Sie rundet die Sammlung ab.

Fazit: Aus heutiger Sicht haben die Geschichten viel von ihrer Faszination verloren. Jugendlichen werden sich vielleicht noch von ihnen begeistern lassen (und sich danach den modernen Autoren zuwenden), aber die SF hat mittlerweile einen großen Sprung gemacht. Mit Autoren wie Isaac Asimov, Ray Bradbury, Theodore Sturgeon, Damon Knight, Harlan Ellison oder James Patrick Kelly, um nur einige zu nennen, kann Weinbaum nicht mithalten. Mein Favorit ist Pygmalion's Spectacle, die einzige Geschichte mit einer Pointe, alle anderen sind nur guter Durchschnitt.

Dezember 2003

Seite zuletzt geändert am 31.December 2007, um 10:27