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Review: Stories of Your Life and Others

Stories of Your Life and Others
 
Autor: Ted Chiang
Jahr:
ISBN:0330426648 (engl.)
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Wertung 7 von 7 Originelle, harte SF Stories mit Gefühl


Ted Chiang hat sich mit dieser Sammlung direkt in die Elite der SF Kurzgeschichten Autoren katapultiert. Man könnte ihn als Nachfolger von Greg Egan bezeichnen, der vor 8 Jahren mit Luminous ähnlich abwechslungsreiche, "harte" SF Geschichten veröffentlicht hat. Im Gegensatz zu Greg Egan steht bei Ted Chiang immer der Mensch im Mittelpunkt. Dadurch gelingt es ihm, eine Brücke zum Leser zu schlagen und die verborgenen Saiten zum klingen zu bringen.

Die Geschichten im Einzelnen

Tower of Babylon - Wertung: 6/7
Jeder kennt wohl die Geschichte vom Turm, der bis zum Himmel reichen sollte. Hier gelingt das Unterfangen, ein riesiger Turm wird gebaut der bis zum Himmel reicht und der die Verbindung zu Gott ermöglichen soll. Die Erkenntnisse werden das Weltbild erschüttern... Eine wundervolle, allegorische Geschichte mit einigen Überraschungen.

Understand - Wertung 7/7
Durch ein neues Medikament können Synapsen im Gehirn repariert werden, so dass Menschen mit Hirnschäden wieder intelligent werden. Mit jeder weiteren Dosis steigert sich die Intelligenz, es gibt aber auch unangenehme Nebenwirkungen... Eine spannende Geschichte, die langsam auf ihr Finale zusteuert und mit einem Knall endet: Understand! Ted Chiang gelingt es, dem "Supermenschen" Thema etwas neues abzugewinnen und er hat keine Angst davor, bis zum Ende zu gehen.

Division by Zero - Wertung 7/7
Eine Mathematikerin findet einen Beweis, der ihr Weltbild zerstört und sie beinahe zugrunde richtet. Eine sehr gefühlvolle Geschichte, die zu Herzen geht.

Story of Your Life - Wertung 7/7
Es wird Kontakt mit Außerirdischen aufgenommen. Um sie besser zu verstehen und Informationen austauschen zu können, erlernen einige Menschen ihre Sprache. Die Sprache ist etwas besonderes, sie verändert die Denkstrukturen und gibt ihnen einen völlig neuen Blick auf unser Universum... Meine Lieblingsgeschichte. Die Handlung ist nicht nur originell, sondern auch stilistisch interessant erzählt. Die Außerirdischen sind glaubwürdig und denken komplett anders. Ted Chiang setzt dabei nicht einfach Sachen voraus, sondern bettet seine Geschichte in eine wissenschaftliche Theorie ein, die durchaus möglich ist.

Seventy-Two letters - Wertung 4/7
Leblose Gegenstände oder Maschinen können zum Leben erweckt werden, wenn man ihren wahren Namen kennt. Den Namen findet man hauptsächlich durch probieren heraus, oder durch Abwandlung von bereits bekannten Namen. Eine dramatische Erkenntnis beschleunigt die Forschungen... Ted Chiang hat sich an den "Golems" orientiert. Die Geschichte kommt etwas behäbig daher (deswegen auch die niedrige Wertung), die Idee an sich ist aber sehr gut und nach der ersten "Bombe" gibt es eine weitere, sehr interessante Erkenntnis. Hier zeigt sich, wie leicht sich Religion mit Wissenschaft verbinden lässt.

The Evolution of Human Science - Wertung 5/7
Eine kurze Geschichte, in der es darum geht, was die Menschen nach der Singularität machen.

Hell is the Absence of God - Wertung 4/7
Engel besuchen von Zeit zur Zeit die Erde (mit dramatischen Effekten) und die Hölle ist knapp unterhalb des Erdbodens sichtbar - Gott, Himmel und Hölle existieren also. (Das klingt jetzt schlimmer, als es sich anhört. Es ist immer noch SF.) Nach dem tödlichen Unfall seiner Frau und ihrem Aufstieg in den Himmel, versucht ein Mann, mit Gott und dem Himmel klarzukommen. Als nahezu nicht-gläubiger Mensch sind seine Aussichten, in den Himmel zu kommen, sehr gering. Es gibt einen kleinen Ausweg: wer im himmlischen Licht steht, kommt immer in den Himmel, unabhängig von seinen früheren Taten. Aber wie soll er das anstellen?

Die (preisgekrönte) Geschichte ist gut erzählt, aber mit dem Thema konnte ich mich schon beim ersten Versuch vor 3 Jahren nicht anfreunden. Mir ist eindeutig zuviel Religion im Spiel. Wer sich daran nicht stört, wird fasziniert sein von dieser originellen Geschichte!

Liking What You See: A Documentary - Wertung 5/7
Wie der Name schon sagt, handelt es sich um eine Dokumentation und keine herkömmliche Geschichte. Das kostet etwas an Wertung, denn die Idee ist sehr gut: durch einen kleinen Eingriff wird verhindert, dass man sich vom Aussehen ("Lookism") ablenken lässt und auf den Charakter eines Menschen schließt. Die Theorie ist, dass mit gut aussehenden Menschen auch automatisch gute Eigenschaften verbunden werden. Da das Aussehen gerade in der Schule und Teenagerzeit eine große Rolle spielt, erhofft man sich viele Vorteile. Aber es gibt immer eine Kehrseite... Ted Chiang spielt die Idee konsequent durch und betrachtet sie von vielen Seiten.

Juli 2006

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