Wieviel ist ein eBook wert?

eBooks haben, wie vorher MP3s, die Diskussion aufgeworfen, wieviel ein Buch wert ist bzw. wert sein darf. Wenn man bedenkt, dass zumindest Autor, Lektor, Prüfleser und der e-Publisher im Boot sitzen, ist ein Preis von 5 Euro / 6 Dollar fair. Aktuelle Taschenbücher kosten in der Regel 9-10 Euro (deutsch) oder 7-9 Euro (englisch), d.h. man spart pro Buch ca. 4 Euro. Wenn man einen E-Book Reader besitzt ist die Lesequalität sogar um einiges höher weil der Text viel besser formatiert ist. Kein Ärger mehr über eine zu kleine Schrift oder einen zu großzügigen Zeilenabstand!

Ein passendes Lesegerät für eBooks ist nicht billig. Ich persönlich lese ungern am Laptop oder PC, für die keine Extra-Investition notwendig wäre. Da Bebook oder Cybook kosten derzeit ca. 280 Euro, d.h. bei einer Ersparnis von 4 Euro hätte man die Investition nach 70 Büchern wieder drin. Bei einer Lebensdauer von (hoffentlich) 10 Jahren halte ich das für eine sinnvolle Anschaffung.

Wenn ich die Wahl habe, greife ich derzeit entweder zum Hardcover (25 Dollar) oder zumindest zum Trade Paperback (ca. 15 Dollar). Hier kann man sicher sein, dass die Bücher die nächsten Jahrzehnte überstehen und nicht beim zweiten Lesen auseinanderfallen. Durch den günstigen Dollar bzw. Pfund Wechselkurs, sind die Bücher derzeit überaus erschwinglich. Somit ist der Einsatzbereich von eBooks auch relativ klar: Bücher, die nur einmal gelesen werde oder von denen es keine preiswerte, hochwertige Ausgabe gibt, bevorzuge ich als eBook.

Leider ist die Preisentwicklung derzeit sehr unerfreulich. Es gibt einige Anbieter wie Baen, die Bücher zu 4-6 Dollar verkaufen. Bei den großen Verlagen herrscht dagegen soetwas wie Goldgräberstimmung. eBooks werden zu Beginn für 15-20 Dollar angeboten und erst mit dem Erscheinen der Taschenbuchausgabe sinkt der Preis auf 6-8 Dollar. Sicherlich spielt hier eine Rolle, dass man ein Buch zeitnah lesen kann ohne 1 Jahr warten zu müssen, aber beim Medium Buch kann man durchaus warten. Klassiker werden selten in elektronischer Form aufgelegt, was uns direkt zum nächsten Thema führt.

eBooks und Piraterie

Elektronisch erfasste Bücher (z.B. eingescannt oder abgetippt) lassen sich sehr leicht verbreiten. Stellt jemand die Dateien öffentlich zur Verfügung, können sehr viele Leute ohne Mühe in den Genuss der Bücher kommen, ohne für sie zu bezahlen. Gemeinhin spricht man in so einem Fall von Piraterie, da der Rechteinhaber (Autor, Verlag, ...) bestohlen wird. Es werden meistens noch schwerere Geschütze aufgefahren und das Bild vom Autoren am Bettelstock beschworen.

Wenn wir die Polemik außen vorlassen, haben wir es mit folgendem Problem zu tun: es gibt Interessenten, die Bücher in digitaler Form käuflich erwerben wollen - es liegt allerdings nur ein Bruchteil des Angebots in digitaler Form vor! D.h. der eigentliche Inhaber der Rechte für die elektronische Verbreitung nimmt diese Rechte nicht war. Genausogut könnte man sich die Übersetzungsrechte für einen Bestseller sichern und ihn dann nicht übersetzen. Im Gegensatz zum Übersetzen ist das reine digitale Erfassen hauptsächlich eine Fleißarbeit und es ist nicht verwunderlich, dass sich eine Grauzone gebildet hat, in der Bücher als TXT, HTML, DOC oder PDF ausgetauscht werden.

Werden digitale Bücher kommerziell angeboten so stellt es eine grobe Copyright Verletzung dar, sie über andere Kanäle kostenlos zu verbreiten - darin sind wir uns einig. Wenn Bücher noch nicht digital vorliegen ist es etwas absurd, einen Schaden aufzeigen zu wollen. In sehr vielen Fällen kaufen sich die Leser eine "richtige" Ausgabe auf Papier, andere Bücher sind z.T. gar nicht mehr im Handel und würden einfach in Vergessenheit geraten. Deshalb gibt es auch kein Unrechtsbewusstsein. Solange die Verlage nicht nachziehen und ihre Rechte an der elektronischen Verbreitung auch nutzen, wird der illegale Tausch weitergehen.

Amazon versucht derzeit die Verbreitung von eBooks zu fördern, wenn auch leider gekoppelt mit ihrem eigenen DRM Schutz. Was das bedeuten kann, musste ich unlängst bei Fictionwise erleben. Ein Anbieter von geschützten Büchern stellt seinen Service ein so dass ich in Zukunft 12 Bücher nicht mehr runterladen kann. Für 9 gibt es glücklicherweise ein Ersatzformat, aber bei den restlichen drei bin ich an das aktuelle Format gebunden. Wenn ich in Zukunft Bücher mit einem anderen Lesegerät lesen möchte (neue MobiPocket ID) kann ich sie dort nicht nutzen! Pech gehabt....

Autoren als Selbstverlegen

Es ist noch ein weiterer, sehr interessanter Trend zu beobachten. Einige Autoren (Cori Doctorow, Peter Watts, Kelly Link) verbreiten ihre Bücher unter der Common Creative License, d.h. jeder darf sie ohne Verpflichtungen frei herunterladen. Hier macht die Kombination mit einem geeigneten eBook Reader richtig Sinn und spart Geld.

Für die Autoren zahlt es sich in der Regel ebenfalls aus, weil Werbung für die richtigen Ausgaben gemacht wird und der Bekanntheitsgrad steigt. Genaue Zahlen gibt es keine, aber ich kann mir gut vorstellen, dass es sich für die Autoren auszahlt. Sobald es billige E-Book Reader geben sollte, klappt das Geschäftsmodell dahinter natürlich nicht mehr.

Seite zuletzt geändert am 16.February 2009, um 13:16