Wie bewertet man Bücher?

Jeder der Buchkritiken schreibt, hat sein eigenes Bewertungssystem. Dabei trifft man auf ein einfaches gut - mittel - schlecht, diverse Schulnotensysteme mit + und - für weitere Abstufungen, auf die beliebte 10er Skala und sogar auf das 1-100 Prozentsystem. Wie überall ist es sehr wichtig zu verstehen, was jeder Punkt, Stern oder jede Note bedeutet: wie definiert der Kritiker seinen Maßstab, warum verdient ein Buch seine Wertung und was hätte gefehlt?

Lange Zeit mochte ich mein einfaches 1-5 Sternesystem. Man konnte ein Buch sehr schnell beurteilen ohne sich darüber Gedanken zu machen, dass Titel X eine Nuance besser ist als Titel Y. Was gezählt hat am Ende des Tages war der Lesespaß. Vor kurzem bin ich meine Wertungen wieder durchgegangen und war unzufrieden. Zu häufig stehen originelle Bücher zu Unrecht neben routiniert geschriebenen Romanen ohne sich abzuheben. Was tun? Die Skala erweitern? + und - vergeben?

Die Antwort fand sich fast von alleine. Die Inchoatus Gruppe benutzt ein System, dass mir auf Anhieb gefallen hat. Mit leichter Abweichung bei den Bedeutungen der einzelnen Wertungen präsentiere ich die 7-Sterne-Wertung!

Inchoatus hebt die höchste Wertung nur für Bücher auf, die die nächsten Jahrzehnte als Meisterwerk durchgehen. Dazu wird das Buch nach einem Jahr erneut überprüft und die Wertung eventuell wieder nach unten korrigiert. Ganz so kritisch bin ich nicht. Für mich war wichtig, eine Abstufung bei den wirklich guten Büchern zu haben!

7 Sterne (entspricht 10/10)

Ein exzellentes Buch, ohne Abstriche empfehlenswert! Dieses Buch hat mich bewegt und mitgerissen, entweder durch seine Erzählweise, durch seine Handlung oder durch neue Ideen, die meine Fantasie in ganz neue Bahnen gelenkt haben. Es hat das Potential, als zeitloser Klassiker in die Geschichte einzugehen und gewinnt mit jedem neuen Lesen. (Beispiel: Book of the New Sun 1 von Gene Wolfe)

6 Sterne (entspricht 9/10)

Ein herausragendes Buch mit neuen Ideen, die das Genre verändern! Es ist vielleicht nicht der zeitlose Klassiker, aber immer noch sehr bemerkenswert und gehört zu den Besten seines Genres. (Beispiel: Picknick am Wegesrand von den Brüdern Strugatzki

5 Sterne (entspricht 8 /10)

Ein sehr gutes Buch, dass sein Potential nicht voll entfalten kann. Es hat seine großen Momente, aber das gewisse Etwas fehlt, um es perfekt zu machen. Der Autor kommt auf meine Vormerkliste. (Beispiel: Die Chronoliths von Robert Charles Wilson)

4 Sterne (entspricht 6 oder 7/ 10)

Ein überwiegend gutes Buch! In der Regel gut geschrieben, aber der Gesamteindruck ist getrübt. Vielleicht wird nur ein "genreübliches" Thema behandelt ohne neue Ideen (häufig Teil xx in einer Serie), oder es gibt neue Ideen aber der Stil ist holprig, oder langatmige/langweilige Abschnitte mindern das Lesevergnügen. (Beispiel: Andymon von A. und K. Steinmüller)

3 Sterne (entspricht 4 oder 5 / 10)

Ein Buch, dass ich nicht besonders mochte! Einige Teile sind interessant, andere dagegen langweilig oder haben mich geärgert. Man hat das Gefühl, es besser machen zu können. (Beispiel: Singularitaet von Charles Stross)

2 Sterne (entspricht 2 oder 3 / 10)

Dieses Buch hat mir nicht gefallen, wenn ich es überhaupt zu Ende gelesen habe! Es ist entweder schlecht geschrieben oder schlecht recherchiert oder ohne jegliche Ambitionen. Kein gutes Beispiel für das Genre, obwohl der eine oder andere Gefallen daran finden mag. (Beispiel: Quarantaene von Greg Egan)

1 Stern (entspricht 1 / 10)

Dieses Buch ist ein Ärgernis! Man hat das Gefühl, seine Zeit verschwendet zu haben. Häufig kann es der Autor besser, aber hier vergrault er den Leser. Oder das Buch ist so schlecht editiert, dass das Lesen keinen Spaß macht. (Beispiel: Half the Day is Night von Maureen F. McHugh)

Seite zuletzt geändert am 18.August 2006, um 19:13