Programme zum Lesen von eBooks

Vor einigen Jahren war noch Bewegung im Markt. Die vorhandenen Programme wurden stetig verbessert, es gab kostenpflichtige Pro Versionen und die Unterstützung von ClearType war keineswegs selbstverständlich. Jetzt sieht es anders aus. Die kommerziellen Pro Versionen sind durchweg kostenfrei und das ehemalige Freeware Tool ist Shareware. So it goes.


Microsoft Reader

Unterstützt: LIT Format

Früher mein Lieblingsprogramm. Man kann kostenlos von Microsoft verschiedene Wörterbücher und eine Pocket Version der Encarta herunterladen. Sie ist leider nicht so umfangreich wie das Oxford Dictionary, die ich viel lieber nutzen würde.

Die Bibliothek zum Verwalten der Dateien ist bei kleineren Sammlungen gelungen, man kann nach verschiedenen Kriterien sortieren z.B. Titel, Autor, Umfang etc. Was noch fehlt wäre eine Möglichkeit zur Bewertung oder eine Zuordnung in Kategorien, um schon gelesene Dateien herauszufiltern. Bei mehr als 50 verliert man schnell die Übersicht, eine Baumansicht wäre sinnvoller gewesen.

Ein anderer Nachteil ist mir erst später aufgefallen: wenn man zwischen Programmen hin und her wechselt, wird jedesmal die Buchliste neu aufgebaut. Das dauert bei großen Speicherkarten relativ lange und nervt. Außerdem lässt das Einstellungsmenü nur sehr wenige Optionen zu. Man kann die Anzeige nur bedingt seinen Vorlieben anpassen.

Update: Auf meinem WM5 Gerät konnte ich den MS Reader zuerst nicht aktivieren. :( Das scheint ein bekanntes Problem zu sein und mit der entsprechenden Hilfe ging es schließlich. Im direkten Vergleich mit den anderen Programmen zieht die GUI klar den Kürzeren.


MobiPocket

Unterstützt: MobiPocket Format, TXT, HTML
Früher gab es von MobiPocket zwei Versionen, eine freie und ein Pro Version mit mehr Funktionen (19,95 Dollar). Dies hat sich geändert, es gibt nur noch eine freie Version (für Pocket PC derzeit: 5.2).

Seit der Version 4.6. wird (endlich) Cleartype unterstützt. Die Verwaltung der Bücher ist okay. Sehr gut ist, dass man seine eBooks Kategorien zuordnen und danach filtern kann. Nicht so schön ist, dass in der Standardansicht nur eine Titelliste erscheint ohne die Namen der Autoren. Noch schneller als beim Microsoft Reader verliert man hier die Übersicht. Der Aufbau der Liste ist dafür recht zügig wenn man in den Optionen einstellt, dass auf Speicherkarten nur im \ebooks Verzeichnis gesucht wird. Das sollte man unbedingt tun! Ähnlich wie bei Avantgo lassen sich zusätzlich Informationsservice von Zeitungen und Magazinen abonnieren.

Die Einbindung von Wörterbüchern ist sehr leicht möglich, ich habe mir das Electronic Pocket Oxford English Dictionary gekauft, das noch keine Fragen offen gelassen hat. Die Möglichkeiten des Programmes sind noch lange nicht ausgeschöpft, es lässt sich viel universeller einsetzen als zum reinen Lesen z.B. lassen sich MP3s abspielen und mit eLearning zum Erlernen von Fremdsprachen kombinieren.


eReader (früher Palm Reader)

Unterstützt: PalmReader Format (PRB)
Mit der Version 3.03 ist der eReader kostenlos. Die Konfiguration lässt keine Wünsche offen, allerdings ist die Belegung der Softbuttons bei WM5 nicht besonders glücklich. Das Installieren von neuen Büchern ist relativ umständlich. Man kann nicht einfach die eBooks in ein Verzeichnis kopieren sondern muss dafür immer das Installationsprogramm benutzen. Auf dem Palm macht dieses Vorgehen vielleicht Sinn, auf dem Pocket PC finde ich es zu umständlich. (Eine manuelle Installation der Bücher ist möglich, indem man die Bücher in das My Documents\Peanut Press\ Verzeichnis kopiert, entweder direkt auf dem Gerät oder auf einer Speicherkarte.)

Wörterbücher lassen sich problemlos einbinden, allerdings ist das Websters fast doppelt so teuer wie das vergleichbare Oxford Dictionary - ich weiß nicht ob das ein guter Zug ist. Standardmäßig werden alle Bücher in einer langen Liste gezeigt. Wie bei den vorherigen Programmen verliert man leicht die Übersicht, insbesondere weil manchmal nicht alle Metadaten korrekt eingetragen sind (z.B. fehlt der Autor). Geschützte Bücher müssen beim ersten Öffnen aktiviert werden, dazu wird der Name und die Kreditkartennummer abgefragt. Die Aktivierungsdaten werden unter \My Documents\Peanut Press\eReader User Data\ gespeichert. Wenn man diese Dateien sichert, spart man sich das erneute Aktivieren.

Durch den eReader bin ich auf die Idee gekommen, mir drei für den Pocket PC auf Lesbarkeit optimierte Fonts zu kaufen: ITC eBook Font Pack. Überraschenderweise ist die beste Kombination uBook und Charter ITC for Agfa, der Font sieht so ähnlich aus wie Georgia, ist aber nicht ganz so hoch und etwas schmaler.

Im Gegensatz zu den anderen Programmen ist es nicht möglich, dem eReader als Argument ein Buch zu übergeben um es gleich anzeigen zu lassen. (Dieses Feature vermisse ich schmerzhaft für mein eBook Verwaltungsprogramm Booklib.) Dadurch ist man an die eingebaute, magere Buchverwaltung gebunden.


uBook (Shareware) (früher µBook)

Unterstützt: TXT, RTF, HTML, PRB (Palm Reader, nur unverschlüsselt), MobiPocket (unverschlüsselt), ZIP, RAR
uBook begann als einfacher Betrachter für Texte und eignet sich damit natürlich hervorragend für eBooks, die in keinem properitären Format vorliegen. Frühere Versionen waren Freeware, seit ca. 2006 ist sie Shareware ($15). Es lassen sich verschiedene Skins einstellen, wodurch man den Eindruck erhält, ein "richtiges" Buch vor sich liegen zu haben. ClearType wird nicht unterstützt, allerdings kommt ein eigener Font smoothing Algorithmus zum Einsatz, der sehr gute Ergebnisse liefert. Das Aussehen lässt sich nach Belieben konfigurieren (Text-Ausrichtung, Abstand zwischen Abschnitten, Abstand der ersten Zeile eines Abschnittes, Schriftgröße, ...) so dass jeder "seine" perfekte Einstellung finden sollte.

Die Verwaltungsfunktionen wurden stark erweitert. Empfohlen wird eine Verzeichnisstruktur mit "Genre - Autor - Bücher", dadurch lassen sich Bücher sehr schnell auffinden und man navigiert ohne Probleme durch große Sammlungen. Wenn ein Bild mit dem gleichen Namen wie das eBook vorhanden ist, wird es als Cover angezeigt was sehr professionell wirkt. Wer seine Cover nicht selber einscannen möchte, sucht die Bücher bei Amazon und speichert das Bild ab. Von einem Verzeichnis lassen sich Übersichten anfertigen, so dass ein Miniaturbild des Buches angezeigt wird und zusätzlich beliebige, frei erweiterbare Felder. Dort kann man z.B. das Jahr eingeben, die Version der Gutenberg Datei, eine Wertung o.ä. Indem ich gelesenen Büchern ein Rating gebe, sehe ich sofort, welche Bücher oder Geschichten noch nicht gelesen wurden.

uBook ist mittlerweile mein absolutes Lieblingsprogramm. Die Seitenformatierung ist sehr schnell, Anmerkungen und Highlights lassen sich hinzufügen, es wird automatisch ein Inhaltsverzeichnis erstellt, das sich leicht bearbeiten lässt, und selbst Wörterbücher lassen sich einbinden (das Format wird in der Anleitung erklärt).

Was ist mit dem PDF Format von Adobe?

Die Antwort lautet: nein!

Normalerweise denkt man bei eBooks zuerst an PDF aber es gibt einen wichtigen Grund der dagegen spricht: PDF ist vor allem dazu da, das Layout zu erhalten. Die Dokumente sehen auf dem Bildschirm genauso aus wie gedruckt. Das mag zwar beim Austausch ganz gut sein, ist aber für das Lesen am Bildschirm ungeeignet wenn man nicht gerade einen großen Bildschirm besitzt. Das Display eines PDAs ist relativ klein, so dass man auf jeden Fall eine angepasste Darstellung braucht. Diese Philosophie verträgt sich sehr gut mit HTML aber nicht mit dem Ursprungsgedanken von PDF.

Adobe hat reagiert und den Acrobat Reader für PDAs herausgebracht. Beim Kopieren einer PDF Datei wird sie zuerst konvertiert, so dass die Textzeilen automatisch umgebrochen werden (reflow). Wer wirklich nicht um PDF herumkommt hat jetzt wenigstens die Möglichkeit, seine Dokumente auf dem PDA einigermaßen vernünftig zu lesen.

Seit einer Weile gibt es außerdem das "Secure Adobe Acrobat 6.0" Format, mit dem ich bis jetzt noch keine Erfahrungen gesammelt habe. Vor allem technische Bücher liegen nur in diesem Format vor.

Seite zuletzt geändert am 26.March 2008, um 13:53