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Review: Andymon

Andymon
 
Autor: A und K Steinmueller
Jahr:
ISBN:3926126337 (dt.)

Motive: Raumschiffe und Überlichttriebwerke * Erkundung und Kolonien * Roboter und Androiden

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Wertung: 4 von 7 Gut geschrieben aber schwache erste zwei Teile, der Schluss rettet das ganze Buch


Andymon wurde mit knapper Mehrheit im Scifiboard Lesezirkel Oktober gewählt, ein Klassiker aus der ehemaligen DDR. Worum geht's?

Auf einem menschenleeren Raumschiff werden in Inkubatoren im Abstand von 68 Tagen jeweils 8 Kinder geboren. Sie werden von Robotern und vom Schiffscomputer großgezogen und lernen in dieser Zeit alles, was auf der geheimnisvollen Erde bekannt war. Jedes Kind spezialisiert sich auf ein Fachgebiet, zusätzlich verbringt es mehrere Monate im "Totaloskop", einem Gerät mit dem man das Leben von Menschen "nacherleben" kann wie in einer virtuellen Realität.

Das Raumschiff steuert einen fernen Planeten an - Andymon. Bei der Ankunft ist die Enttäuschung groß, der Planet ist menschenfeindlich und muss erst mit viel Mühe lebenswert gestaltet werden durch Terraforming. Zwischen den einzelnen Gruppen kommt es immer öfter zu Meinungsverschiedenheiten bis eines Tages die Entscheidung gefällt werden muss, wie es weitergehen soll...

Die ersten beiden Drittel haben mir nicht besonders gut gefallen. Die Personen sind zu stereotyp und die zwischenmenschlichen Beziehungen werden zum größten Teil vernachlässigt. Viele Ereignisse sind einfach zu stromlinienförmig, es geht "planmäßig" voran und eventuelle Schwierigkeiten wurden nur als Alibi eingestreut. Besonders unglaubwürdig ist, dass die Kinder nur an die Arbeit denken und fast keine Freizeit haben - sie leben nicht. Der Stil ist dagegen sehr flüssig und auch die Handlung ist spannend - man möchte wissen, wie es weitergeht.

Im letzten Drittel steigern sich die Autoren beträchtlich. Endlich gibt es Konflikte und Reibungspunkte, die Charaktere machen sich Gedanken was es heißt zu leben, es wird über die Sehnsucht nach den Sternen diskutiert etc. Jetzt wird deutlich, woher das Buch seinen Klassikerstatus hat und der Schluss hat mich richtig vom Hocker gerissen.

Freunde von Hard SF werden das Buch von Beginn an in ihr Herz schließen, bei mir hat es ein wenig länger gedauert und wegen der klischeehaften Charaktere gibt es einen Punkt Abzug. Ich kann das Buch trotzdem allen SF Fans empfehlen, die sich für eines der Themen in der Science Fiction Literatur interessieren - der Eroberung eines Planeten.

Oktober 2004

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