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Review: Blade Runner

Blade Runner
 
Autor: Philip K Dick
Jahr:
ISBN:3453217284 (dt.)

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Wertung: 4 von 7 Das Buch wirkt nicht wie aus einem Guss, es gibt gute Momente aber die Erinnerung wird (positiv) verklärt durch den genialen Film.


Die meisten SF Fans werden nicht das Buch kennen, sondern den grandiosen Film von Ridley Scott. Die düstere Zukunftswelt wird keiner so schnell wieder vergessen und wurde danach selten wieder erreicht.

Das Buch ist etwas anders als der Film. Rick Deckard ist ein "Bounty Hunter", der geflohene Replikanten aufspürt und aus dem Verkehr zieht. Replikanten sind Androiden, die sehr menschenähnlich sind und denen verboten ist, auf die Erde zu reisen. Sie werden auf Kolonialplaneten eingesetzt um den Menschen zu helfen und zu dienen. Die neueren Modelle lassen sich kaum noch von echten Menschen unterscheiden, sie haben ein eigenes Bewusstsein und wollen selbst ihr Schicksal bestimmen.

Deckards Ehe läuft nicht besonders und er verdient nicht genug Geld, um sich ein echtes Tier leisten zu können. Das Halten von Tieren unterscheidet die Menschen von Androiden und ist, seitdem immer mehr Tiere ausgestorben sind, ein Statussymbol. Die Tiere sind teuer und Deckard versucht mit aller Macht, nach dem Ableben seines Schafes ein neues Tier zu erwerben. Eine Chance bietet sich, als 6 Replikanten beseitigt werden sollen und der Chef-Jäger angeschossen im Krankenhaus liegt.

Während der Jagd bekommt Deckard langsam Gewissensbisse. Das Schicksal der Androiden lässt ihn nicht so kalt, wie er es gern hätte. Er lernt Rachel kennen, die ein Exemplar der neuesten Modellreihe ist. Durch sie wird seine Moral gründlich hinterfragt und er muss sich auch der Frage stellen, ob er selbst vielleicht ein Androide ist...

Der Handlungsstrang um die Jagd auf die Androiden ist spannend geschrieben, die Welt von morgen kommt überzeugend rüber und die Personen sind in typisch Dickscher Manier keine Superhelden sondern kleine Menschen von der Straße. Etwas nervig sind die philosophischen Ergüsse, die immer wieder eingeflochten werden. Zum einen gibt es die Buster-Friendly Show, zum anderen spielen Mercer und sein Mercerismus eine gewichtige Rolle. Diese Abschnitte fügen sich aber nicht nahtlos in den Roman ein, sondern wirken aufgesetzt und unpassend. Wenn man weitere Bücher von Philip K Dick kennt, kann man schon Parallelen zu später erkennen. Die actionreiche Handlung ist wahrscheinlich das Zugeständnis an die Leser und an den Verlag, mehr Herzensblut ist in das "Drumherum" geflossen. Für diese Theorie spricht das etwas lieblose Ende.

Das Buch ist trotz seiner Mängel empfehlenswert für alle SF Fans - und für Anhänger von Philip K Dick sowieso ein Muss. Er hat nicht die Qualität der späteren Bücher, enthält aber einige sehr interessante Ideen.

Dezember, 2004

Seite zuletzt geändert am 21.August 2006, um 16:09