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Review: Island of Doctor Death and Other Stories and Other...

Island of Doctor Death and Other Stories and Other...
 
Autor: Gene Wolfe
Jahr:
ISBN:0312863543 (engl.)
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Wertung 6 von 7 Sehr gute Sammlung von Kurzgeschichten


Für die vorliegende Sammlung sollte man sich ausreichend Zeit nehmen. Gene Wolfe hat einen unvergleichlichen Stil, der viel Wert auf Details legt. Dadurch sind die Geschichten atmosphärisch, schräg oder kunstvoll verwoben, erwarten aber auch Mitarbeit vom Leser. Wer diese nicht aufbringen möchte, ist hier falsch.

Die Interpretation der Geschichten fällt nicht immer leicht und erschließt sich häufig erst beim mehrmaligen Lesen. Als Hilfe und gute Quelle für Information hat sich für mich das (englische) Wolfe Wiki erwiesen.

Die Geschichten im einzelnen:

Die Titelgeschichte The Island of Doctor Death and Other Stories handelt von einem Jungen, der sehr abgeschieden mit seiner geschiedenen Mutter lebt. Während der Vorbereitung zu einer Feier erscheinen plötzlich Personen aus einem Buch (The Island of Doctor Death and Other Stories) und sprechen mit dem Jungen. Obwohl die Geschichte sehr gut geschrieben ist, fand ich den Inhalt zu ziellos und nur eine bedeutungslose Momentaufnahme. (4/7)

Alien Stone ist das erste Highlight. Sie beginnt als normales Weltraumabenteuer, aber nach einer Weile merkt man, dass viel mehr dahinter steckt. Der Schluss hat mich regelrecht umgehauen und wirft ein neues Licht auf die Ereignisse. Top! (7/7)

La Befana hat keinen Eindruck auf mich gemacht. Zu kurz und unbedeutend. (3/7)

The Hero as Werewolf ist eine sehr atmosphärische Geschichte und wirft einen Blick auf eine merkwürdige Gesellschaft. Alles hat sich verändert und der Protagonist gehört zu den Außenseitern, aber sein Leben wirkt realer als das der Masse. Ungewöhnlich und sehr intensiv. (6/7)

Three Fingers ist eine pure Enttäuschung. Mit dieser Geschichte konnte ich überhaupt nichts anfange. (1/7)

Es folgt das nächste Highlight: The Death of Dr. Island. Drei Personen leben auf einer isolierten Insel. Sie leiden unter psychischen Problemen, die sie zu sozialen Außenseitern gemacht haben. Die "Insel" versucht ihnen zu helfen beim Heilungsprozess und greift dabei zu extremen Maßnahmen. Eine wundervolle Geschichte und die einzige, die mich emotional berührt hat. Besonders interessant fand ich, wie die Insel mit Wetterschwankungen auf die Gefühle der Bewohner reagiert. Das schafft eine Verbindung, die einem die Geschichte auf mehreren Ebenen erleben lässt. Hervorragend! (7/7)

Feather Tigers spielt auf einem fremden Planeten und erzählt von Federtigern. Die Story erinnerte mich ein wenig an Ray Bradbury, der SF/Horror Mix ist allerdings nicht ganz mein Ding. (4/7)

Hour of Trust wirft einen Blick in die Zukunft. Amerika kämpft einen nahezu aussichtslosen Kampf gegen Freiheitskämpfer, die so ähnlich wie die Terroristen von heute vorgehen. Die Elite versucht noch einmal alle Kräfte zu mobilisieren und der Showdown wird live übertragen. Wie so häufig bei Wolfe gibt es viele versteckte Hinweise, die der Leser entdecken und zusammentragen muss. Es ist faszinierend, mit wieviel Sorgfalt die Charaktere ausgearbeitet sind. Sie handeln völlig glaubhaft und machen die Handlung damit noch dramatischer. (6/7)

In Tracking Song wacht der Protagonist ohne Erinnerung auf einem schneebedeckten Planeten auf. Er weiß dass er einen "Schlitten" suchen muss und macht sich auf den Weg. Dabei trifft er auf verschiedene Stämme und menschliche Wesen, die auf unterschiedliche Weise auf dem Planeten überleben. Sie nehmen ihn herzlich auf und er lernt sie näher kennen. Die Ereignisse nehmen ungeahnte Wendungen, als sich Reisegefährten ihm anschließen... Die Geschichte ist voller Atmosphäre und lädt dazu ein, die Geheimnisse des Planeten zu entschlüsseln. Der Schluss hat mich etwas ratlos zurückgelassen, ansonsten eine wundervolle Story. (6/7)

The Toy Theater handelt von einem Mann, der zu einem berühmten Puppenspieler reist um von ihm zu lernen. Eine wunderbare Geschichte, humorvoll, impulsiv und wieder mit einigen geheimnisvollen, versteckten Details. (6/7)

The Doctor of Death Island habe ich noch nicht gelesen. (-/7)

Cues ist eine schräge Geschichte mit vielen Wortspielen. Je länger man über sie nachdenkt, um so interessanter wird sie. (5/7)

Eyeflash Miracles handelt von einem blinden Jungen, der sich auf der Flucht befindet. Zwei Männer, die momentan zwar ohne Arbeit sind aber einige Pläne haben, nehmen ihn mit sich mit. Die Geschichte ist gut geschrieben mit einigen netten Referenzen auf den Zauber von Oz, aber die Handlung war mir auf Dauer zu ziellos. (5/7)

Kommen wir zur letzten Geschichte Seven American Nights. Ein reicher iranischer Tourist macht sich auf den Weg in ein Amerika, dass durch Krieg und Zerstörung zurückgeworfen wurde. In seinem Tagebuch beschreibt er seine Erlebnisse, doch nach 7 Tagen ist plötzlich Schluss. Anscheinend hat er sich auf den Weg in die Berge gemacht - oder steckt vielleicht etwas anderes dahinter? Eine grandiose Geschichte, die durch den Schluss völlig auf den Kopf gestellt wird. Ich musste sie gleich noch einmal lesen und habe dabei erst die eingestreuten Andeutungen und Hinweise verstanden! Die Sammlung bekommt damit ihren krönenden Abschluss und ich ziehe meinen virtuellen Hut vor Gene Wolfe. (7/7)

Beim Durchsehen von anderen Reviews ist mir aufgefallen, dass jeder seine eigenen Lieblingsgeschichten zu haben scheint. Was mich ratlos zurückgelassen hat, fand ein anderer Leser grandios und umgekehrt. Somit kann ich nur empfehlen, wirklich jede einzelne Geschichte zu lesen um sich selbst ein Bild zu machen.

Ein Wort zum Buch selbst: meine Orb Ausgabe hat eine relativ schlechte Qualität. Die Tinte spiegelt sich irritierend stark im Licht, was ich noch nie bei einem Buch beobachtet habe. Im unteren Viertel gibt es eine Zeile, die schief bzw. etwas kleiner vom Schriftsatz aussieht. Das hat Gene Wolfe nicht verdient.

Februar 2009

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