Willkommen >> Buchkritiken >> NachTitel

Review: The Kragen

The Kragen
 
Autor: Jack Vance
Jahr:
ISBN:1596061510 (engl.)
no starno starno starno starno starstarstar

Wertung 5 von 7 Eine typische Vance Geschichte, im positiven Sinne


The Kragen ist eine, man möchte fast sagen "verschollene", Novelle, die später erweitert wurde zu "Die blaue Welt" (The blue world). Der Roman hatte mir gar nicht so gut gefallen; eine sehr gute Idee wurde im letzten Drittel unbefriedigend zu Ende geführt. Umso gespannter war ich auf die Vorlage!

Zuerst ein paar Worte zum Buch selbst. Die Ausgabe von ''Subterranean Press" ist auf 500 limitiert und vom Autor signiert (meine hat die Nummer 444). Ein sehr schön gestaltetes Buch mit einem fantastischen Cover. Der Preis war zwar für die 120 Seiten recht heftig (ca. 28 Euro), aber als treuer Vance Fan erwirbt man etwas ganz Besonderes. (Auf der Essay Seite ist die Signatur Seite zu sehen.)

Vor langer Zeit sind Raumfahrer auf einem Planeten notgelandet, der nur mit Wasser bedeckt ist. Ohne Metall oder die Möglichkeit, Elektrizität zu erzeugen, wurden sie technologisch weit zurückgeworfen. Die Nachfahren sind in verschiedenen Kasten organisiert, in den jeder seiner Aufgabe nachgeht. Sie leben auf Flößen und das Meer ernährt sie. Alles könnte so schön sein, wenn da nicht King Kragen wäre, ein riesiger Krake der die Menschen terrorisiert. Momentan herrscht soetwas wie Waffenstillstand (der Krake bekommt regelmäßig Futter und vertreibt als Gegenleistung die kleineren Kraken), aber es gibt Menschen, denen diese Abhängigkeit zuwider ist. Als sie mit Glück einen kleineren Kraken erlegen und die grausame Rache von King Kraken zu spüren bekommen, ist ihre Geduld am Ende...

Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen. Der besondere Stil von Jack Vance lässt die Welt in einem farbenfrohen Licht erstrahlen. Er nimmt sich die Zeit, um sehr ins Detail zu gehen. Der Held ist geradezu typisch: ein wenig eigenbrötlerisch und stur, aber mit einer Vision und er ist bereit, alles dafür aufzugeben. Er ist beileibe kein Strahlemann, ganz im Gegenteil. Ihm fehlt das nötige Charisma um die Leute überzeugend auf seine Seite zu ziehen, und die Mittel, zu denen er greift, sind fragwürdig. Das macht ihm aber nichts aus, er würde sich zur Not auch alleine durchschlagen. Ein ganz eigener Charakter, mit dem man erst einmal warm werden muss.

Sehr interessant ist, wie die Gesellschaft auf die Ereignisse reagiert. Sie wird in ihren Grundfesten erschüttert, aber das Pendel bewegt sich hin und her. Man kann die Wut und das Entsetzen verstehen, doch dann ist da noch mehr. Ein Geheimnis, von dem nur wenige gewusst haben und das jetzt zum Vorschein kommt. Durch diese Joker verliert die Geschichte bis zum Schluss nichts von ihrer Faszination. Man könnte ihr höchstens vorwerfen, dass sie zu vorhersehbar ist und zu wenig Neues bietet, aber wie so oft bei Jack Vance ist der Weg das Ziel. Sehr empfehlenswert!

Wer das Buch sieht, sollte unbedingt zuschlagen, aber nicht um jeden Preis (es sei denn man ist absoluter Vance Fan). Als "limited edition" ist der Preis stark gestiegen. Vielleicht gibt es später einmal eine günstigere Alternative.

März 2008

<< Lye Street | Kritiken chronologisch | Wächter des Tages? >>

Seite zuletzt geändert am 06.June 2008, um 12:39