Der Wert eines Buches

Der deutlich gesunkene Dollarkurs hat in der letzten Zeit englische Hardcover Ausgaben sehr attraktiv gemacht. Das größere Format, die bessere Papierbindung und das bessere Papier sorgen dafür, dass das Lesen mehr Spaß macht. Diese Feststellung war für mich anfangs etwas überraschend. Bei einem Buch sollte doch der Inhalt zählen und nicht das Drumherum! Wieso ist das nicht der Fall?

Die handwerkliche Qualität eines Buches spielt eine Rolle, wenn man mit dem Lesen anfängt. Ein Blick auf das Cover verrät, worum es eventuell geht. Je großformatiger das Buch ist, umso beeindruckender wirkt das Cover. Trade Paperbacks und Hardcover liegen klar vorne im Vergleich zum normalen Taschenbuch. Beim ersten Blättern schaut man auf das Layout (kleine oder große Schrift, eng gedruckt oder eher großzügig) und auf die Qualität vom Papier. Je besser der erste Eindruck ist, umso motivierter beginnt man mit dem Lesen und bleibt länger dabei, selbst wenn es langweilig wird.

Wenn einen das Buch gefesselt hat, spielt die Qualität nur noch eine untergeordnete Rolle. Interessanter wird es wieder wenn der Wiederlesewert hoch ist. Man greift von Zeit zu Zeit zum Buch, stöbert ein wenig und fängt fast automatisch an zu lesen. Bei einem billigen Taschenbuch mit Mikroschrift passiert das sehr selten. Ein gebundenes Buch mit einem hübschen Schutzumschlag und guter Aufmachung liefert deutlich mehr Reize.

Vor kurzem habe ich bei Subterranean Press eine signierte Ausgabe von Kragen von Jack Vance erstanden.

Hier stimmt einfach alles. Das Cover ist fantastisch und ich ertappe ich mich dabei, dass ich mir regelmäßig die Signatur von Jack Vance anschaue. Das Gefühl, Besitzer eines Buches zu sein, ist richtig gut. Das Gegenbeispiel wäre Hyperion von Dan Simmons. Ein unglaublich gutes Buch in einer (leider) billigen Ausgabe, wenn auch mit schönem Cover. Nach so einem Buch greift man nicht einfach so.

Auf die Meinung zu einem Buch hat die Aufmachung keinen Einfluss. Wenn der Inhalt allerdings enttäuscht, steigt der Ärger mit jedem Euro, den man mehr ausgegeben hat. Das gilt nicht nur für Bücher sondern für alle Konsumgüter, die man erwirbt. Der persönliche Wert entspricht nicht 1:1 dem materiellen Wert.

Es gibt eine interessante Alternative zu billigen Taschenbüchern und zwar eBooks. Sie unterscheiden sich preislich (leider) kaum, dafür ist die Lesequalität viel besser und man läuft nicht Gefahr, in wenigen Jahren eine vergilbte, auseinanderfallende Ausgabe zu haben. Wenn man keine Abneigung gegen eBooks im Allgemeinen hat, sollte man es zumindest einmal ausprobieren.

April 2008

Seite zuletzt geändert am 06.June 2008, um 12:38